Thema: Parkinson

Die Ursache für Morbus Parkinson ist noch nicht geklärt. Wahrscheinlich gibt es, wie so häufig, genetische und umweltbedingte Faktoren. In einer großen Anzahl von Studien zu Risiko- bzw. Schutzfaktoren allgemein finden sich nur wenige Ergebnisse, die konsistent sind. Dazu gehört einem aktuellen Review schwedischer Forscher zufolge der positive Einfluss von Kaffee [1].

Niedrigeres relatives Risiko für Parkinson

Bis zu einer abschließenden Beurteilung des Einflusses von Kaffee auf die Parkinson-Krankheit sind sicherlich noch viele weitere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig. Doch die bis dato vorliegenden Ergebnisse ermutigen zu der Annahme, dass der Konsum von Kaffee einen gewissen Schutz vor dieser neurodegenerativen Erkrankung bietet. Dies war auch das Ergebnis einer umfangreichen Metaanalyse aus dem Jahr 2010, die 26 Untersuchungen zu Kaffeekonsum und Häufigkeit des Auftretens von Morbus Parkinson einbezog. Sie ergab ein um 25 % vermindertes relatives Krankheitsrisiko für Kaffeetrinker [2]. Dabei konnte eine Dosisabhängigkeit von der Koffeinzufuhr gezeigt werden - bei höherer Koffeinzufuhr war auch das relative Krankheitsrisiko geringer.

Schutzeffekt durch Koffein?

Da die positiven Effekte auf Morbus Parkinson sowohl bei Kaffee- als auch Teekonsum zu beobachten waren, kann davon ausgegangen werden, dass insbesondere Koffein und nicht andere Inhaltsstoffe für diesen Schutzeffekt verantwortlich ist. Weitere Hinweise darauf sind die Ergebnisse präklinischer Studien, die nahelegen, dass A2A-Antagonisten (also auch Koffein) die Entwicklung einer Störung des physiologischen Bewegungsablaufes (Dyskinesien) reduzieren können [z. B. 3]. Dies müsse, so die Forscher, allerdings in klinischen Studien erst noch untersucht werden.

Koffein in klinischen Studien

Einige solcher Untersuchungen liegen mittlerweile vor. So verabreichten kanadische Forscher in einer Pilotstudie Parkinsonpatienten eine aufsteigende Dosis Koffein [4]. Bei 400 mg pro Tag konnten sie Verbesserungen bezüglich motorischer Symptome und der Tagesmüdigkeit (Somnolenz) feststellen. In einer in der Zeitschrift Neurology veröffentlichten randomisierten placebokontrollierten Studie wurden 61 Parkinsonpatienten sechs Wochen lang mit unterschiedlichen Dosen Koffein oder Placebo behandelt [5]. Das Ergebnis: Motorische Symptome konnten positiv beeinflusst werden, Somnolenz hingegen nicht.

Abschließend soll an dieser Stelle eine große Kohortenstudie aus dem Jahr 2012 angeführt werden, in der die Studienautoren zeigen konnten, dass ein hoher Koffeinkonsum mit einem reduzierten Risiko für Parkinson verbunden war [6]. Dies galt sowohl für Frauen als auch für Männer. Bei Frauen war dieser Effekt allerdings dann besonders stark, wenn keine Hormonersatztherapie angewandt wurde. Entkoffeinierter Kaffee zeigte keinen Effekt. 

1. Wirdefeldt, K. et al. European Journal of Epidemiology, 26, Suppl. 1:S1-58, 2011.
2. Costa, J. et al. J Alzheimers Dis 20 Suppl 1: 221-238, 2010.
3. Morelli, M., Simola, N. Experimental Neurology, 225, 246-249, 2010.
4. Altman, R.D. et al. Movement Disorders, 26, 2427-31, 2011.
5. Postuma, R.B. et al. Neurology, 79, 428-34, 2012.
6. Palacios, N. et al. Movement Disorders, 27, 1276-82, 2012.