Thema: Nierenfunktion und Wasserhaushalt

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Kaffee könne dem Körper Wasser entziehen. Doch verschiedenste Untersuchungen belegen, dass das so nicht stimmt.

Kein Flüssigkeitsverlust beim Sport

Die „International Society Of Sports Nutrition“ kommt in einem aufwendigen Positionspapier zu dem Schluss, dass die wissenschaftliche Literatur keinen Hinweis darauf gibt, dass Koffein während sportlicher Tätigkeit dem Körper Wasser entzieht oder die Flüssigkeitsbalance stört [1].

Kaffee leistet Beitrag zur Flüssigkeitsbilanz

Einer Meldung des Berufsverbandes Deutscher Internisten e. V. (BDI) zufolge haben Studien gezeigt, dass sich die Wirkung von Kaffee auf den Wasserhaushalt kaum von der von Wasser unterscheidet [2]. Wer Kaffee trinkt, scheidet demnach bis zu 84 Prozent der aufgenommenen Flüssigkeit innerhalb eines Tages wieder über den Urin aus. Wer reines Wasser trinkt, scheidet bis zu 81 Prozent aus – ein vernachlässigbarer Unterschied. Kurzzeitig erhöht Koffein zwar die Filterfunktion der Nieren, sodass mehr Urin gebildet wird. Dieser Effekt lässt aber schnell wieder nach. Koffeinhaltige Getränke können laut BDI durchaus in die tägliche Flüssigkeitsbilanz mit einbezogen werden.

In einer aktuellen, aber kleinen Studie mit nur 19 Versuchsteilnehmern fanden Forscher heraus, dass die kreatininbasierte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) durch Kaffeekonsum nicht beeinflusst wurde, wohl jedoch die cystatinbasierte GFR [3].

Fazit: Koffein ist zwar ein mildes Diuretikum, in den üblichen Mengen getrunken, kann Kaffee jedoch einen wichtigen Beitrag zum Flüssigkeitsbedarf leisten.

Beeinflusst Kaffee die Harnkontinenz?

Im Hinblick auf mögliche Auswirkungen von Kaffee auf die Harnkontinenz ist die Studienlage uneinheitlich. Eine Studie aus dem Jahr 2003 mit mehr als 27.000 norwegischen Frauen fand keinen Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und Harninkontinenz [4].

Neuere Studien kommen aber teilweise zu anderen Ergebnissen: In einer amerikanischen Querschnittsstudie zeigte sich, dass beim  Genuss von etwa zwei großen Tassen Kaffee täglich gehäuft mit unfreiwilligen Urinverlusten zu rechnen ist. Die Forscher hatten Daten von 4.309 US-Amerikanerinnen des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) herangezogen. Während in der Gruppe der Frauen, die täglich nur bis zu 27 mg Koffein zu sich nahmen, 34 % über Inkontinenzprobleme verschiedener Stärke berichteten, verloren von den Konsumentinnen von 204 mg und mehr insgesamt 49 % unfreiwillig Urin [5].

Laut einer weiteren aktuellen Studie scheint eine Koffeinaufnahme bestehende Beschwerden zumindest nicht zu verstärken: Forscher untersuchten die Effekte eines langfristigen Koffeinkonsums durch Getränke auf das Risiko der Verschlechterung einer bereits bestehenden moderaten Harninkontinenz bei Frauen. Sie fanden keinen Zusammenhang zwischen langfristiger Koffeinaufnahme und einem Fortschreiten der Beschwerden [6]. 

1. Goldstein, E.R. et. al. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 7, 2010.
2. Meldung der „Internisten im Netz“ vom 29.9.2008, herausgegeben vom Berufsverband Deutscher Internisten e. V.
3. Saito, M. et al. Journal of Nutrition and Metabolism, online publiziert am 16.6.2011.
4. Hannestad, Y.S. et al. British Journal of Obstetrics and Gynaecology, 110, 247-254, 2003.
5. Gleason, J.L. et al. Int Urogynecol Journal, online publiziert am 15. Juni 2012.
6. Townsend, M.K. et al. Obstetrics and Gynecology, 119, 950-7, 2012.