Thema: Leberzirrhose und -Krebs

Schon länger gibt es Hinweise darauf, dass Kaffee offenbar einer Leberfibrose entgegenwirkt.

Kaffee verlangsamt fibrotische Prozesse

Patienten mit einer chronischen Leberentzündung wie Hepatitis C könnten davon profitieren: In einer 2010 erschienenen Studie zeigten Forscher mit Hilfe von Leberbiopsien, dass die Fibrose bei den Hepatitis-Patienten, die regelmäßig mehr als zwei Tassen Kaffee am Tag tranken, einen milderen Verlauf nahm [1]. Zu einem vergleichbaren Resultat kommt auch eine weitere Studie mit 238 Hepatitis-C-Patienten. Hier zeigte sich, dass ein Kaffeekonsum von mehr als drei Tassen täglich (mehr als 408 mg Koffein) einen leberschützenden Effekt hatte [2].

Aktuelle Untersuchungen weisen nun darauf hin, dass Kaffee auch bei Patienten mit nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) und nichtalkoholischer Steatohepatitis (NASH) das Fortschreiten einer fibrotischen Veränderung der Leber vorbeugen bzw. verlangsamen könnte [3, 4, 5].

Mögliche molekularbiologische Hintergründe

Molekularbiologische Ursachen hierfür konnten bereits gefunden werden: Wahrscheinlich erhöht das Koffein im Kaffee den Cyclo-AMP-Anteil in der Leberzelle [6, 7]. Dieser Botenstoff wiederum hemmt den Bindegewebs-Wachstumsfaktor CTGF (Connective Tissue Growth Factor), der den Umbau gesunder Leberzellen in funktionsloses Bindegewebe verantwortet. In der Leber wird CTGF vor allem von den Hepatozyten produziert. Dieser Zelltyp macht etwa 80 % des gesunden Lebervolumens aus. In Tierversuchen bestätigte sich, dass die Hepatozyten unter Koffein deutlich weniger CTGF produzierten. Koffein wird fast ausschließlich in der Leber abgebaut, folgern die Autoren, wodurch es eine Anreicherung des Cyclo-AMP exakt dort bewirkt, wo es benötigt wird, um den Umbauprozess der Leber, die sogenannte Fibrose, zu verlangsamen. Heilen könne man die Erkrankung durch bloßes Kaffeetrinken zwar nicht, aber schon mit zwei Tassen Kaffee täglich lasse sich der Krankheitsverlauf zumindest verzögern.

Paraxanthin - verheißungsvoller Koffeinmetabolit?

In einem Review aus dem Jahr 2009 sind sowohl viele klinisch-epidemiologische Studien als auch die pathobiochemischen Grundlagen der antifibrotischen Wirkungen von Kaffee zusammengefasst [8]. Laut Studienautoren legen die Resultate nahe, dass Koffein bzw. sein Metabolit Paraxanthin wegen der inhibitorischen Effekte auf die hepatozelluläre CTGF-Synthese möglicherweise sogar als wirkungsvoller Arzneistoff für Patienten mit chronischen Lebererkrankungen eingesetzt werden könnte.

In einer Studie aus dem Jahr 2011 konnten Wissenschaftler in einem Versuch an Ratten zeigen, dass die orale Gabe von Paraxanthin die intrahepatische CTGFKonzentration und den oxidativen Stress im Lebergewebe reduzierte. Sie kamen zu dem Schluss, dass ihre Ergebnisse weitere Anstrengungen rechtfertigen, Paraxanthin als eine potenzielle neue Arzneisubstanz gegen fibrotische Prozesse zu untersuchen [9].

Kaffee reduziert möglicherweise Risiko für Leberkrebs

Mehrfach wurde außerdem ein Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und Schutz vor Leberkrebs beschrieben. In einer 2011 erschienenen Fall-Kontroll-Studie untersuchten Forscher die protektiven Effekte bei Patienten mit chronischer Hepatitis B. Diese sind einem besonderen Risiko ausgesetzt, Leberkrebs zu entwickeln. Das Ergebnis: Moderater Kaffeekonsum reduzierte das Risiko für Leberkrebs dosisabhängig und signifikant um etwa die Hälfte (OR 0.54, 95% CI 0.30 to 0.97) [10]. Auch dieser Effekt ist einer anderen Studie zufolge wohl auf das im Kaffee enthaltene Koffein zurückzuführen [11].

Masterton und Hayes kommen in einem Review aus dem Jahr 2010 zu dem Schluss, es sei zwar erstaunlich, dass ein Alltagsprodukt wie Kaffee therapeutische Vorteile habe, aber die Beweislage dafür sei absolut überzeugend [12]. Epidemiologische und Fall-Kontroll-Studien hätten übereinstimmend gezeigt, dass Kaffeetrinken mit besseren Leberwerten einhergehe und teilweise den hepatotoxischen Effekt von Alkohol ausgleichen könne. Außerdem litten Kaffeetrinker weniger unter Leberzirrhose und Leberfibrose. Wäre eine Zirrhose bereits vorhanden, schütze Kaffee davor, dass sich daraus Leberkrebs entwickelt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass leberkranke Patienten, vor allem solche, die ein hohes Risiko für Leberkrebs haben, von ihren Ärzten darauf aufmerksam gemacht werden sollten, dass das Trinken von zwei bis fünf Tassen Kaffee täglich für sie vorteilhaft sein könnte.

1. Modi, A.A. et al. Hepatology, 51, 201-209, 2010.
2. Costentin, C.E. et al. J Hepatology, 54, 1123-9, 2011.
3. Birerdinc, A. et al. Aliment Pharmacol Ther, 35, 76-82, 2012.
4. Molloy, J.W. et al. Hepatology, 55, 429-36, 2012.
5. Gutierrez-Grobe, Y. et al. Annals of Hepatology, 11, 350-355, 2012.
6. Gressner, O.A. Hepatology, 50, 970-978, 2009.
7. Gressner, O.A. et al. Liver International, 29, 886-897, 2009.
8. Gressner, O.A. Environmental Toxicology and Pharmacology, 28, 1-10, 2009.
9. Klemmer, I. et al. Hepatology Research, 11, 1094-109, 2011.
10. Leung, W.W. Epidemiol Community Health, 65, 556-8, 2011.
11. Fujise, Y. International Journal of Oncology, 40, 1779-1788, 2012.
12. Masterton, G.S., Hayes, P.C. European J Gastroenterology & Hepatology, 22, 1277-1283, 2010.