Thema: Kopfschmerzen und Migräne

Etwa 50 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Migräne mit und ohne Aura [1]. Koffein ist ein altbekanntes adjuvantes Analgetikum [2]. Daher beschäftigten sich verschiedene Arbeitsgruppen in den letzten Jahren mit dessen Wirkmechanismen im Schmerzgeschehen. Untersuchungen an Versuchstieren und Zellkulturen sprechen dafür, dass Koffein verschiedene biochemische Mechanismen beeinflusst, die eine analgetische Wirkung hervorrufen können. Diese multifaktorielle Wirkung ist bedeutungsvoll, da die Migräne heute als Erkrankung mit neurogenen und vaskulären Komponenten angesehen wird.

Zellbiologische Untersuchungen an Mikroglia erbrachten den Nachweis, dass Koffein ähnlich wie Acetylsalicylsäure (ASS) die Prostaglandin-Synthese blockiert, allerdings nicht durch Hemmung der Aktivität der Cyclooxygenasen (COX), sondern durch Hemmung der Neusynthese der COX-2 [3]. Es handelt sich also um einen anderen Angriffsort in der Schmerzkaskade. Ein weiterer Mechanismus, der möglicherweise zur Wirksamkeit von Koffein beiträgt, ist die Modulation des dopaminergen / adrenergen Systems. Koffein verstärkt den Turnover von Noradrenalin in verschiedenen Hirnregionen. Diese Wirkung kann durch Blockade hemmender nervaler Einflüsse an Neuronen im Locus coeruleus hervorgerufen werden oder auf der Blockade der Adenosin-A1-Rezeptoren an noradrenergen Neuronen beruhen. Die Beteiligung dieses Mechanismus an der schmerzhemmenden Wirkung wurde in vitro gezeigt [4].

Vergleichende Untersuchungen hinsichtlich koffeininduzierter Veränderungen des zerebralen Blutflusses und der mittleren zerebralen Fließgeschwindigkeit zeigten, dass Koffein den Durchmesser zerebraler Gefäße und dadurch den zerebralen Blutfluss und die Fließgeschwindigkeit vermindert [5]. Seine analgetische Wirkung bei vasomotorisch bedingten Kopfschmerzen wird zum Teil darauf zurückgeführt. Unabhängig von den zellbiologisch-pharmakodynamischen Wirkmechanismen gibt es Hinweise, dass Koffein die Resorptionsgeschwindigkeit von Paracetamol [6] und die Bioverfügbarkeit von ASS [7] nach oraler Einnahme erhöht. Das wäre eine Erklärung für die Wirkrationale in der klinischen Anwendung.

Diese Daten bestätigen die in der Volksmedizin bekannte Wirkung von Koffein bei Kopfschmerzen. Da der Koffeingehalt jedoch je nach Kaffee und Zubereitungsart deutlichen Schwankungen unterliegt, ist für die Therapie von leichter bis mittelschwerer Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp die Verwendung von Fertigarzneimitteln zu empfehlen.

Einen ganz anderen Erklärungsansatz für die Wirksamkeit von Kaffee liefern Forscher in einer aktuellen Arbeit. Demnach würde das im Kaffee enthaltene Kafestol eine über körpereigene Opioide vermittelte Erhöhung der Schmerztoleranz erwirken [8].

1. Diemer, W. and Burchert, H. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 7, 2002.
2. Sawynok, J. and Yaksh, T.L. Pharmacological Reviews, 45, 43-85, 1993.
3. Fiebich, B.L. et al. Neuropharmacology, 39, 2205-2213, 2000.
4. Fiebich, B.L. et al. Pharmacological Research, 53, 391-396, 2006.
5. Lund, M.J., et al. Physiological Measurement, 25, 467-474, 2004.
6. Tukker, J.J. et al., Pharmaceutisch weekblad. Scientific edition, 8, 239-243, 1986.
7. Dahanuka, S.A. et al. Indian Journal of Medical Research, 68, 844-848, 1978.
8. Guzzo, L.S. et al. Clinical and Experimental Pharmacology and Physiology, 39, 412-6, 2012.