Thema: Herz-Kreislauf-System

Immer noch ist die Befürchtung verbreitet, Kaffee könne das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Herzkranken wird beispielsweise daher oftmals per se geraten, auf ihren Kaffee zu verzichten. Doch diese Vorstellungen sind veraltet. Selbst Herzkranke müssen nicht automatisch auf ihren Kaffee verzichten. Es gibt sogar einzelne Krankheitsbilder, bei denen sich der Genuss von Kaffee positiv auf das Erkrankungsrisiko auswirkt. Wie Kaffee das Herz-Kreislauf-System beeinflussen kann, ist eine sehr spannende Frage. In den Folgenden Abschnitten möchten wir Ihnen die neueren Forschungsergebnisse dazu vorstellen.

  • Allgemein

    Die Annahme, dass Kaffee einen negativen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System haben könnte, beruht sicherlich u. a. auf der Tatsache, dass durch den Genuss des Getränkes einzelne Biomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ansteigen können. So wurde berichtet, dass Kaffee den Blutdruck steigen lässt und den Plasmaspiegel für LDL-Cholesterin erhöht [1,2]. In einigen Studien wurde ein Zusammenhang zwischen diesen Effekten und einem erhöhten Risiko für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Stunden unmittelbar nach dem Kaffeekonsum gefunden - allerdings nur bei Personen, die nicht gewohnheitsmäßig Kaffee tranken [3].

    Dies bedeutet nicht automatisch, dass Kaffee das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen generell erhöht, wie Ergebnisse einer umfangreichen Meta-Analyse einer chinesischen Arbeitsgruppe aus dem Jahr 2009 vermuten lassen [4]. Die Arbeitsgruppe hatte 21 unabhängige Kohorten-Studien ausgewertet, die sich mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Kaffee-Genuss befassten. Fazit der Forscher: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird durch moderaten (ein bis zwei Tassen Kaffee/Tag) bis hohen Kaffee-Konsum (bis zu sieben Tassen Kaffee/Tag) nicht erhöht. Bei Frauen zeigte sich bei moderatem Kaffee-Genuss sogar ein signifikanter protektiver Effekt, bei Männern konnte dies nicht beobachtet werden. Die Autoren führen das auf andere negative Faktoren (wie z. B. das Rauchen) zurück, die bei Männern stärker ausgeprägt sind als bei Frauen und die den protektiven Effekt des Kaffees überdecken. 

    In der bekannten amerikanischen Framingham Heart Study wurde ebenfalls geprüft, ob es einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Herzerkrankungen gibt [5]. Die Daten von mehr als 1.300 Senioren aus zehn Jahren Beobachtungszeitraum zeigten einen hochsignifikanten Schutzeffekt von Kaffee bei Personen mit einem systolischen Blutdruck von <160 mm Hg und einem diastolischen von <100mm Hg. Dabei war die Herz-Kreislauf-Mortalität der Kaffeetrinker gegenüber den Nichttrinkern um 43 % vermindert. 

    Spanische Forscher, die Hypertoniker untersuchten, fanden keinen Zusammenhang zwischen gewohnheitsmäßigem Kaffeekonsum und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen [6]. 

    In mehreren Kohortenstudien wurde ein inverser Zusammenhang zwischen gewohnheitsmäßigem Kaffeekonsum und der Mortalität gefunden [7]. Um auszuschließen, dass dieser Zusammenhang lediglich dadurch zustande gekommen war, dass Kaffeetrinker tendenziell die gesünderen Mitglieder der Kohorten sind, wurden im Jahr 2012 Daten von 400.000 Teilnehmern der National Institutes of Health (NIH)-American Association of Retired Persons Diet and Health Study analysiert [8]. Die Studienteilnehmer wurden im Median 13,6 Jahre beobachtet, 52.000 starben in der Zeit. Nach Ausschluss möglicher Einflussfaktoren wie Alter, BMI, Bildungsniveau, ethnische Zugehörigkeit, Komorbidität und Lebensstilfaktoren (z. B. Rauchen) zeigte sich ein inverser, dosisabhängiger Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Mortalität: Bei Frauen, die zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag tranken, sank das Mortalitätsrisiko um 13 % (Männer: 10 %) und bei denen, die vier bis fünf Tassen Kaffee zu sich nahmen, um 16 % (Männer: 12 %). Bei mehr als sechs Tassen am Tag waren es noch 15 % (Frauen) bzw. 10 % (Männer). Bei Betrachtung einzelner Krankheitskategorien zeigte sich ein günstiger Einfluss auf das Mortalitätsrisiko auch speziell in Bezug auf Herzerkrankungen und Schlaganfall. 

    Deutsche Forscher, die in der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) Study nach einem möglichen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen suchten, fanden zwar keinen positiven Einfluss des Kaffeegenusses auf das Risiko für Kardiovaskular-Erkrankungen allgemein - allerdings auch keinen negativen [9]. Eine umfangreiche Übersichtsarbeit von 2009 [10] gelangt zu dem Schluss, dass zwischen akuten und langfristigen Effekten des Kaffeekonsums unterschieden werden muss, wobei der akute Konsum möglicherweise koronare Ereignisse triggern kann, während der langfristige Konsum wohl keine negativen Aspekte aufweist. 

    1. Hartley, T.R., Lovallo, W.R., Whitsett, T.L. Am J Cardiol, 93,1022-6, 2004.
    2. Fried, R.E. et al. JAMA, 267, 811-5, 1992.
    3. Baylin, A. et al. Epidemiology, 17, 506-11, 2006.
    4. Wu, J.N. et al. International Journal of Cardiology, 137, 216-225, 2009.
    5. Greenberg, J.A. et al. American Journal of Cardiology, 102, 1502-1508, 2008.
    6. Mesas, A.E. et al. American Journal of Clinical Nutrition, 94, 1113-1126, 2011.
    7. Tamakoshi, A. et al. Eur J Epidemiol, 26, 285-293, 2011.
    8. Freedman, N.D. et al. N Eng J Med 366,1891-904, 2012.
    9. Floegel, A. et al. American Journal of Clinical Nutrition, online publiziert am 15.2.2012.
    10. Riksen, N.P. et al. Pharmacol Ther, 121, 185-91, 2009.

  • Erkrankungen

    Eine Koronare Herzkrankheit (KHK) wird in den meisten Fällen durch Arteriosklerose verursacht. Mit zunehmendem Fortschreiten der Erkrankung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Begleiterscheinungen wie Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz sowie Herzinfarkt und Herzversagen.


    Niederländische Forscher hatten im Jahr 2010 an mehr als 37.000 Personen untersucht, welchen Einfluss Kaffee und Tee u. a. auf das Risiko für die KHK allgemein haben. Sie fanden eine U-förmige Assoziation zwischen Kaffeekonsum und dem Auftreten der KHK, mit dem niedrigsten Hazard Ratio (HR) bei 2 bis 3 Tassen pro Tag. Moderater Konsum reduzierte die Mortalität geringfügig, allerdings war der Unterschied nicht signifikant [1]. 

    Arteriosklerose 

    Amerikanische Forscher untersuchten, ob der Konsum von Kaffee in jungen Jahren eine Auswirkung auf eine spätere Entwicklung von Arteriosklerose haben könnte: In der CARDIA-Studie (2010) mit mehr als 5.000 Teilnehmern wurde jedoch kein substanzieller Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und Arteriosklerose gefunden [2]. Eine spätere Untersuchung an ApoE-/- Mäusen (in vitro / in vivo) zeigte, dass sich Koffein anscheinend günstig auf verschiedene Prozesse bei der Atherogenese auswirkt und sie damit möglicherweise sogar reduzieren könnte [3]. 

    Venöse Thromboembolien 

    In einer norwegischen Studie aus dem Jahr 2011 mit 26.755 Teilnehmern im Alter von 25 bis 97 Jahren untersuchten Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Risiko venöser Thromboembolien. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ein täglicher Kaffeegenuss von fünf bis sechs Tassen das Risiko für eine venöse Thromboembolie im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern signifikant senkt [4]. 

    Herzinfarkt 

    Die Studienlage bezüglich Kaffee und dem Risiko für Herzinfarkt ist uneinheitlich. Eine mögliche Erklärung dafür liefern kanadische Forscher: Sie fanden ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt durch den Konsum von Kaffee nur bei den Individuen, die zu den "langsamen Koffeinabbauern" gehörten [5] (siehe auch Absatz "Blutdruck"). 

    In der EPIC-(Deutschland)-Study wurde kein Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Myokardinfarkt gefunden [6]. Aus den Rohdaten der Studie lässt sich ableiten, dass positive Ergebnisse für den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Risiko für Kardiovaskular-Erkrankungen allgemein aus anderen Studien möglicherweise darauf zurückzuführen sind, dass Störfaktoren, vor allem hoher Zigaretten- und Alkoholkonsum, nicht ausgeschlossen wurden. 

    Risiko für Reinfarkte

    Einige Daten liegen über den Einfluss von Kaffee auf das Reinfarktrisiko vor. In der GISSI-Studie, an der über 11.000 Patienten teilnahmen, wollten die Forscher herausfinden, wie sich der Kaffeekonsum auf das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse nach Myokardinfarkt auswirkt [7]. Nach Myokardinfarkt konnte innerhalb eines Nachbeobachtungszeitraums von 3,5 Jahren kein Einfluss des Kaffeegenusses auf kardiovaskuläre Ereignisse festgestellt werden. Untersuchungen aus Schweden belegen nicht nur das Fehlen eines erhöhten Risikos durch Kaffeekonsum bei Patienten nach Herzinfarkt, sondern lassen sogar einen Schutzeffekt möglich erscheinen. Eine Kohortenstudie an 1.369 Patienten zeigte ein nahezu halbiertes Risiko für einen Reinfarkt mit steigendem Kaffeekonsum [8]. 

    Herzversagen 

    Es gibt auch Studien, in denen nach einem möglichen Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und Herzversagen gesucht wurde. In einer finnischen Studie aus dem Jahr 2010 mit annähernd 60.000 Teilnehmern kamen die Autoren zu dem Schluss, dass Kaffeegenuss das Risiko für Herzversagen nicht erhöht. Bei Frauen war ein schwacher bis moderater Kaffeekonsum sogar mit einem verminderten Risiko für Herzversagen verbunden [9]. In die gleiche Richtung weist eine aktuelle Metaanalyse [10]. Die Autoren fanden einen J-förmigen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Herzversagen. Moderater Kaffeekonsum war dabei im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern mit einem verringerten Risiko für Herzversagen verbunden. 

    Herzrhythmusstörungen 

    Aufgrund des Koffeingehalts ist dem Kaffeekonsum häufig die Wirkung zugeschrieben worden, er würde Herzrhythmusstörungen fördern. Die häufigste bedeutsame Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern. In einer Übersichtsarbeit konnte jedoch gezeigt werden, dass regelmäßiger Kaffeekonsum kein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern darstellt und möglicherweise sogar einen schützenden Effekt besitzt [11]. In diese Richtung weist jedenfalls auch eine weitere Studie: Amerikanische Wissenschaftler, welche die Zusammenhänge in einer großen Populationsstudie mit über 130.000 Teilnehmern untersuchten, stellten fest, dass Kaffeetrinker seltener wegen Rhythmusstörungen in ein Krankenhaus eingewiesen wurden als Nicht-Kaffeetrinker [12]. Auch ein Review aus dem Jahr 2011 kommt zu dem Schluss, dass moderater Kaffeekonsum von Patienten mit Arrhythmien gut vertragen wird [13]. Es gebe daher keinen Grund, den Kaffeekonsum einzuschränken, so die Autoren. Vorsichtig sein sollte man lediglich bei Patienten, von denen bekannt ist, dass sie auf Koffein empfindlich reagieren oder bei denen die Arrhythmie durch Katecholamine gefördert wird. 

    Schlaganfall 

    Bereits eine im Jahr 2009 veröffentlichte Evaluierung der Daten der Nurses-Health-Studie mit über 80.000 Probandinnen ergab, dass Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für Schlaganfall verbunden war: Bei den Frauen, die mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag tranken, war das Schlaganfall-Risiko um 20 % geringer als bei Nichttrinkerinnen [14]. Eine 2011 publizierte Auswertung der Daten von fast 35.000 Teilnehmerinnen an der Swedish Mammography Cohort zeigte ebenfalls, dass das Risiko für einen Schlaganfall bei den Kaffeetrinkerinnen niedriger war. Dabei profitierten Frauen, die ein bis zwei Tassen Kaffee pro Tag tranken, in gleichem Maße wie jene, die mehr Tassen konsumierten [15]. Bekräftigt wurden die Ergebnisse durch eine Metaanalyse, in die Daten aus elf prospektiven Studien eingeflossen waren [16]. Die Forscher fanden einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang, das relative Risiko für einen Schlaganfall betrug bei einem Konsum von drei bis vier Tassen Kaffee am Tag nur noch 0,83. 

    1. De Koning Gans, J.M. et al. Arterioscer Thromb Vasc Biol, 30, 1665-1671, 2010.
    2. Reis, J.P. et al. Arterioscler Thromb Vasc Biol, 30, 2059-2066, 2010.
    3. Mercer, J.R. et al. Arterioscler Throm Vasc Biol, 32, 2461-7 2012.
    4. Enga, K.F. et al. J Thrombosis Haemostasis, 9, 1334-1339, 2011.
    5. Cornelis, M.C. et al. JAMA, 295, 1135-41, 2006.
    6. Floegel, A. American Journal of Clinical Nutrition, online publiziert am 15.2.2012.
    7. Silletta, M.G., Marfi si, R.M., Levantesi, G. et al. Circulation, 116, 2944-2951, 2007.
    8. Mukamal, K.J. et al. American Heart Journal, 157, 495-501,2009.
    9. Wang, Y. et al. Heart, 97, 44-48, 2011.
    10. Mostofsky, E. et al., Circulation Heart Failure, online publiziert am 26.6.2012.
    11. Gronroos, N.N., Alonso, A. Circ J 74, 2029-2038, 2010.
    12. Klatsky, A.L., Hasan, A.S. et al. The Permanente Journal, 15, 19-25, 2011.
    13. Pelchovitz, D.J., Goldberger, J.J. Am J Med, 124, 284-289, 2011.
    14. Lopez-Garcia, E. et al. Circulation, 119, 1116-1123, 2009.
    15. Larsson, S.C. et al. Stroke, 42:908-912 2011.
    16. Larsson, S.C. & Orsini, N. American Journal of Epidemiology, 174, 993-1001, 2011.

  • Blutdruck

    Kaffee stimuliert das vasomotorische Zentrum. Ob sich allerdings dadurch, wie oftmals vermutet, der Blutdruck erhöht, ist schon lange Gegenstand der Forschung. Das Spektrum der Aussagen aus den vergangenen rund 30 Jahren bezüglich eines Effekts von Koffein auf den Blutdruck reicht von "senkt den Blutdruck" bis "erhöht den Blutdruck".

    Kurz- und Langzeiteffekte des Koffeins

    Bereits ein Review aus dem Jahr 1988 zeigt: Bei normotonen Menschen erhöht sich der Blutdruck nach Kaffeekonsum nur kurz und vor allem dann, wenn das Getränk nicht gewohnheitsmäßig genossen wird [1]. Auch spätere Studien ergaben keine Risikoerhöhung für Bluthochdruck in Abhängigkeit vom Kaffeekonsum, sondern eher einen Trend zu vermindertem Risiko bei moderatem Kaffeegenuss [2, 3]. 

    Eine aktuelle Metaanalyse verweist auf mögliche Kurz- und Langzeiteffekte [4]:

    • Nach dem Konsum von zwei bis drei Tassen Kaffee stieg der Blutdruck für maximal drei Stunden um durchschnittlich 8,1/5,7mm Hg an.
    • Ein Langzeiteffekt von Kaffee auf den Blutdruck wurde hingegen nicht beobachtet. 

    Diesen Unterschied zwischen Kurz- und Langzeiteffekt erklären die Forscher damit, dass der Einfluss des Koffeins auf den Blutdruck auf lange Sicht wettgemacht wird durch den Einfluss, den andere Komponenten des Kaffees haben wie beispielsweise Polyphenole. Diese würden möglicherweise den Zuckerstoffwechsel verbessern, Entzündungen reduzieren und endotheliale Dysfunktionen verringern. 

    Es gibt allerdings wohl Ausnahmen. So zeigte eine Langzeituntersuchung, dass sich bei Männern über 70 Jahren und einem BMI von mehr als 30 bei stärkerem Kaffeekonsum der systolische Blutdruck auch langfristig erhöht [5]. Bei Frauen wurde dieser Zusammenhang nicht beobachtet. 

    Wirkungen abhängig von genetischer Ausstattung 

    Zunehmend mehr Studien zeigen, dass die Wirkung von Kaffee auf den Blutdruck individuell sehr unterschiedlich sein kann - was vermutlich genetisch bedingt ist. Einige Forscher betrachten genetische Variationen der Adenosinrezeptoren als Ursache [6]. Andere Wissenschaftler erklären den Unterschied mit einer unterschiedlichen genetischen Ausstattung in Bezug auf das Leberenzym Cytochrom P450 1A2 [7]. Cytochrom P450 1A2 baut in der Leber über 95 Prozent des Koffeins ab. Im CYP1A2-Gen sind genetische Varianten bekannt, die mit einer veränderten Enzymaktivität assoziiert sind. Menschen, die homozygot in Bezug auf das CYP1A2*1A Allel sind, gehören zu den "schnellen Koffeinabbauern", während Träger der Variante CYP1A2*1F zu den "langsamen Koffeinabbauern" gehören. Diejenigen, bei denen die aufmunternde Wirkung von Kaffee sehr lange anhält, gehören wahrscheinlich eher zu den "langsamen Koffeinabbauern". Einer Langzeitstudie zufolge ist das Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln, bei Kaffee trinkenden "langsamen Koffeinabbauern" im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern erhöht [8]. Bei Kaffee trinkenden "schnellen Koffeinabbauern" ist das Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln, im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern hingegen verringert - dieser Zusammenhang wurde auch in einer weiteren Studie gefunden, interessanterweise allerdings nur bei Nichtrauchern [9]. 

    Metaanalyse: Kein signifikanter Zusammenhang erkennbar 

    Im Journal of Hypertension sind aktuell eine Metaanalyse und ein Review erschienen, für die mehr als 600 Artikel gesichtet wurden [10]. Zehn placebokontrollierte Untersuchungen und fünf Kohortenstudien wurden in die Arbeit einbezogen. Die Autoren konnten keinen signifikanten Einfluss von Kaffee auf den Blutdruck oder auf das Risiko für Bluthochdruck finden. Da allerdings die einzelnen Studien eine hohe Heterogenität aufwiesen, kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass im Hinblick auf den Blutdruck keine deutliche Empfehlung für oder gegen Kaffeegenuss ausgesprochen werden kann. 

    1. Myers, M.G. et al. Archives of Internal Medicine, 148, 1189-1193, 1988.
    2. Winkelmayer, W.C. et al. JAMA, 294, 2330-2335, 2005.
    3. Matsuura, H. et al. Journal of Epidemiology, 22, 160-6, 2012.
    4. Mesas, A.E. et al. American Journal of Clinical Nutrition, 94, 1113-1126, 2011.
    5. Giggey, P.P. et al. Am J Hypertension, 24, 310-315, 2011.
    6. Renda, G. et al. American Journal of Clinical Nutrition, online publiziert am 14.12.2011.
    7. Cornelis, M.C. et al. JAMA, 295, 1135-41, 2006.
    8. Palatini, P. et al. Journal of Hypertension, 27, 1594-1601, 2009.
    9. Guessous, I. et al. Human Molecular Genetics, online publiziert am 5.4.2012.
    10. Steffen, M. et al. Journal of Hypertension, online publiziert am 25.7.2012.

  • Cholesterin

    Kaffee selbst ist cholesterinfrei. Er enthält jedoch die beiden Diterpene Kafestol und Kahweol, von denen bekannt ist, dass sie die Cholesterinwerte im Blut indirekt erhöhen können.

    Kaffeeöl: Gehalt im Getränk abhängig von Zubereitungsart

    Bezüglich des Kafestols ist der Mechanismus bekannt: Es hemmt Enzyme in der Leber, die für den Abbau von Cholesterin zu Gallensäuren erforderlich sind. Der Diterpengehalt des Kaffees ist allerdings abhängig von der Zubereitungsart, wie eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigt [1]: Filterkaffee enthielt in der Untersuchung nur geringe Mengen an Kafestol und Kahweol, da die beiden Stoffe im Filter hängen blieben. Filterkaffee hat daher laut den Studienautoren keinen nennenswerten Einfluss auf den (Blut-)Cholesterinwert – was ältere Studien schon vermuten ließen [2, 3]. Höhere Diterpenmengen fanden sich hingegen in aufgebrühtem Kaffee (wie auch beispielsweise in nach türkischer oder skandinavischer Art zubereitetem Kaffee) und in Kaffee aus Maschinen ohne Filterprinzip (wie auch bei der French Press / Pressstempelkanne). Fünf Tassen solcher Art aufgebrühten Kaffees können den Serumcholesterinwert leicht (um 0.33 mmol/l) erhöhen.

    In einer Meta-Analyse fanden Forscher eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Konsum verschiedener Kaffeezubereitungsarten und den Werten für Gesamt- und LDL-Cholesterin [4]. Die beobachteten Effekte waren deutlicher bei Menschen mit Hyperlipidämie. Die Folgerung daraus: Starker Konsum von aufgebrühtem Kaffee (nicht aber von Filterkaffee) erhöht das Gesamt- und das LDL-Cholesterin. Ob dies tatsächlich klinisch relevant ist, bleibt offen.

    Positive Wirkung bei metabolischem Syndrom gefunden

    Gleich in zwei neuen japanischen Studien wurde der Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Vorkommen des Metabolischen Syndroms unter die Lupe genommen. In der einen Studie mit mehr als 3.000 Teilnehmern fanden die Forscher einen inversen Zusammenhang zwischen hohem Triglycerid-Level und moderatem Kaffeekonsum – allerdings nur bei Männern [5]. Dieses Ergebnis wird durch die zweite Studie gestützt, in der eine Assoziation zwischen niedrigerem Triglycerid-Serumlevel und Kaffeekonsum gefunden wurde [6].

    1. Naidoo, N. et al. Nutrition Journal online publiziert am 15. Mai 2011.
    2. Bak, A.A.A. et al. New England Journal of Medicine, 321, 1432-1437, 1989.
    3. Rosmarin, P.C. et al. American Journal of Medicine, 88, 349-356, 1990.
    4. Jee, S.H. et al. American Journal of Epidemiology, 153, 353-362, 2001.
    5. Matsuura, H. et al. Journal of Epidemiology, 22, 160-6, 2012.
    6. Takami, H. et al. Journal of Epidemiology, online publiziert am 6.10.2012.