Thema: Depression

Untersuchungen legen nahe, dass der Konsum von Kaffee, Tee und Koffein mit einem reduzierten Depressionsrisiko verbunden sein könnte (1, 2, 3, 4, 5). Allerdings sind die Ergebnisse nicht konsistent. Hinzu kommt, dass in einigen Studien Koffein allein keine positive Wirkung im Hinblick auf das Risiko für Depressionen hatte [z. B. 2], in anderen hingegen hatte nur koffeinhaltiger Kaffee eine schützende Wirkung, entkoffeinierter Kaffee schützte nicht [z. B. 3].

Interessant ist das Ergebnis eines Versuchs mit Ratten aus dem Jahr 2012: Die Tiere waren darin einem ständig wiederholten und unvorhersehbaren Stress ausgesetzt, der bei ihnen u. a. depressives Verhalten und eine erhöhte Ängstlichkeit hervorrief. Die Forscher untersuchten nun die Effekte einer langfristigen Behandlung mit Koffein bzw. einem Antidepressivum. Im Ergebnis zeigte sich, dass die längerfristige orale Koffeingabe, ähnlich wie das Medikament, eine antidepressive und angstauflösende Wirkung ausübte [6].

Im Jahr 2015 erschienen gleich zwei Metaanlysen, die die Wirkung von Kaffee und Koffein auf das Depressionsrisiko untersuchten.

In der ersten Metaanalyse fanden chinesische Forscher, dass sowohl der Konsum von Kaffee als auch der von Koffein mit einem niedrigeren Risiko für Depressionen einherging [7]. Der Zusammenhang erwies sich als signifikant. Das gepoolte relative Risiko für Depressionen betrug für Kaffeetrinker 0,757, das für Koffeinkonsum 0,721. Die Forscher fanden zudem einen linearen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang. Demnach sank pro Tasse Kaffee am Tag das Risiko für eine Depression um 8 %. Ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zeigte sich auch im Hinblick auf den Koffeinkonsum, allerdings war dieser nicht linear.

In der zweiten Metaanalyse kam ein italienisch-polnische Forscherteam zu ähnlichen Ergebnissen. Verglichen mit Personen, die nur wenig Kaffee tranken, hatten Vieltrinker ein niedrigeres relatives Risiko für Depressionen (RR = 0,76) [8]. Auch einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang fanden die Forscher. Dieser erwies sich allerdings nicht als linear, sondern als J-förmig. Der beste schützende Effekt zeigte sich bei 400 ml Kaffee pro Tag. Grüner Tee und Koffein hatten zum Teil ebenfalls eine schützende Wirkung.

1. Smith, A.P. Human Psychopharmacology, 24, 29-34, 2009.
2. Ruusunen, A. et al. Public Health Nutrition, online publiziert am 1.4. 2010.
3. Lucas, M. et al. Archives of Internal Medicine, 171, 1571-1578, 2011.
4. Ngoc Minh Pham et al. Public Health Nutrition, Vol.17 Issue3, 2014
5. Guo, X. et al. PLOS One 17;9(4):e94715, 2014
6. Pechlivanova, D.M. et al. Behav Pharmacol., 23, 339-47, 2012.
7. Wang L. et al. Australian and New Zealand Journal of Psychiatry, online publiziert September 2015.
8. Grosso G. Mol Nutr Food Res online publiziert November 2015.